Sie sind hier: Startseite Forschung Interessen in diplomatischer Kommunikation. Der Westfälische Friedenskongress (1643-1649)

Interessen in diplomatischer Kommunikation. Der Westfälische Friedenskongress (1643-1649)

Dr. Lena Oetzel; Habilitationsprojekt

Das Projekt „Interessen in diplomatischer Kommunikation. Der Westfälische Friedenskongress (1643-1649)“ betrachtet den Westfälischen Friedenskongress aus Perspektive der diplomatischen Akteure. In Münster und Osnabrück war eine außergewöhnliche Vielzahl von Gesandten anwesend, die eine ebensolche Vielzahl an Herrschern, Staaten und Territorien vertraten. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass hier die unterschiedlichsten Interessen – dynastische, territoriale, konfessionelle, militärische, finanzielle, individuelle etc. – aufeinandertrafen und unter Umständen in Konflikt miteinander gerieten; dies gilt nicht nur für Interessenkonflikte zwischen den gegnerischen Parteien, sondern auch innerhalb der jeweiligen Delegationen. Beispielsweise war es eines der Hauptprobleme des kaiserlichen Prinzipalgesandten Maximilian von Trauttmansdorff die sich oft widersprechenden konfessionellen, territorialen und finanziellen Interessen des Kaisers in Einklang zu bringen und diese dann auch noch mit den kaiserlichen Verbündeten abzugleichen; und all dies bevor mit dem Gegner verhandelt wurde. Hinzu kamen die persönlichen Interessen der Gesandten, die sich aus ihren verschiedenen Rollen als Klient, Patron, Adliger/Bürger und Paterfamilias ergaben. Vielfach klagten sie außerdem über finanzielle und/oder gesundheitliche Sorgen.

Im Mittelpunkt stehen dabei der kaiserliche Prinzipalgesandte Maximilian Graf Trauttmansdorff sowie der kursächsische Gesandte Dr. Johann Leuber. Ergänzend werden verschiedene andere kaiserliche und reichsständische Gesandte herangezogen, um die Vielfalt der Interessenlagen zu veranschaulichen. Im Wesentlichen standen – neben der Interessen der Dienstherren – Finanzfragen, Gesundheitsprobleme und Fragen der Ehre im Fokus. Dies sind die Punkte, an denen die Person des Gesandten, die meist in den Korrespondenzen hinter den Verhandlungsfragen versteckt bleibt, am stärksten hervortritt. Darüber hinaus wird aber auch deutlich, dass sie mitunter zu einer anderen Einschätzung der politischen Lage kamen, was zu Konflikten mit dem jeweiligen Dienstherren führte. Zusätzlich zu den Interessen ihrer Dienstherren und den persönlichen Interessen traten insbesondere Trauttmansdorff und Leuber als Interessenvermittler auf, da andere Gesandte sie wiederholt um Vermittlung und Unterstützung baten. Dies zeigt, dass sich die Gesandten in einem komplexen Geflecht bestehend aus verschiedenen Interessenlagen bewegten, die durchaus in Widerspruch zu einander stehen konnten. Teil ihrer Aufgabe war es, diese dennoch auszubalancieren.

Die Komplexität des Friedenschließens wird damit aus der Perspektive der vor Ort handelnden Akteure, der Gesandten, beleuchtet. Sie waren es, die in Münster und Osnabrück fast sieben Jahre verhandelten und die mit ihren eigenen Interessen und Persönlichkeiten diese Verhandlungen mitprägten.

Kontakt

Artikelaktionen