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Der Immerwährende Reichstag

Projektmitarbeiterin: Dr. Dorothée Goetze

Ursprünglich als Türkenreichstag geplant tagte der Immerwährende Reichstag ab 1663 in Regenburg und etablierte in den ersten Jahrzehnten seiner Tätigkeit eine Permanenz, die der Reichsversammlung nicht nur einen veränderten institutionellen Rahmen verlieh, sondern auch dazu führte, dass deren Beratungen bis zum Ende des Alten Reichs 1806 fast ununterbrochen andauerten.

Der Immerwährende Reichstag war nicht nur der Kristallisationspunkt des Alten Reichs, sondern entwickelte sich auch zu einer Kommunikations- und Informationsplattform für Europa und einem Zentrum europäischer (Friedens-)Politik. Hier kamen die Reichsstände zusammen und verhandelten mit den Vertretern des Kaisers über die Belange und die Verfassung des Reichs. Hier trafen sie aber auch auf die Gesandten der europäischen Großmächte, die die Beratungen des Reichs vor Ort beobachteten und zu beeinflussen suchten.

Trotz seiner Bedeutung für die Reichs- und europäische Geschichte wurde der Immerwährende Reichstag erst Anfang der 1990er Jahre fest im Forschungskanon der Geschichtswissenschaft etabliert. Dem war eine allmähliche Neubewertung seiner Leistungen ab den 1960er Jahren vorausgegangen, die das seit dem 19. Jahrhundert dominierende Negativurteil über den Immerwährenden Reichstag revidierte. Aufgrund der relativ neuen Hinwendung der Forschung zum Immerwährenden Reichstag hat das Wissen über ihn noch nicht die Detailliertheit und Tiefe wie zu den periodischen Reichstagen erreicht - trotz einer Vielzahl von Untersuchungszugängen und Fragestellungen. Dies liegt auch an den schier unüberblickbaren Quellenmassen. Der Zugang hierzu ist immer noch relativ aufwendig, da moderne und umfassende Editionen fehlen.

Durch eine solche Edition wäre nicht nur eine tiefere inhaltliche Beschreibung des Reichstags und seiner Verhandlungen auch in diachroner Perspektive möglich und böte dadurch eine wichtige Ergänzung zur Reichsgeschichtsschreibung zum 17. und 18. Jahrhundert. Darüber hinaus bildet eine solche Edition die Grundlage zu vielfältigen weiterführenden rechts- und kulturwissenschaftlichen Forschungsansätzen.

Hier setzt das aktuelle Projekt an. Erste Ansätze zu einer Edition des Aktenmaterials des Immerwährenden Reichstags reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Allerdings scheiterten diese bislang an den Beschränkungen von Printmedien. Durch die Entwicklungen in den digital humanities eröffnet sich nun die Möglichkeit, eine solche Edition als genuin digitales Vorhaben erfolgreich durchzuführen. Im Rahmen des Projektes wird ein genuin digitales Editionskonzept für das Aktenmaterial des Immerwährenden Reichstags entwickelt, das den technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten ebenso Rechnung trägt wie den Wünschen und Forderungen der Geschichtswissenschaft.

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